About Scotland

29. Januar 2010

Schottlands geschichtliche Entwicklung

Eine Kurzübersicht

Skara Brae

Schottland war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Die erstaunlich gut erhaltene Steinzeitsiedlung Skara Brae auf den Orkney Inseln, und zahllose prähistorische Hügel- und Kammergräber der Megalithkultur bieten den Archäologen ein reiches Betätigungsfeld.

Um 80 n.Chr. versuchten die Römer in Caledonia den nördlichsten Außenposten des Römischen Imperiums zu errichten. Mit Hilfe zweier Wälle, dem noch heute erkennbaren „Hadrianswall“ im Süden und dem „Antoniuswall“ zwischen Clyde und Forth, versuchten sie sich vor den kriegerischen Stämmen der Pikten zu schützen. Dem römischen Chronisten Tacitus verdanken wir auch den ersten schriftlichen Bericht über die Pikten. Sie sind seit der Bronzezeit im Nordosten Caledoniens ansässig und vermutlich Nachkommen einer sehr frühen Urbevölkerung, vermischt und Überlagert von einwandernden Kelten.

Die ethnischen Nachbarn in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende waren die Britons, die große Teile von England, Wales und Südschottland besiedelten. Die Skolen, ein irisch keltischer Stamm mit gälischer Sprache, siedelten im 5. Jh. im Nordwesten. Die germanischen Angeln gründeten im 7. Jh. das Königreich Northumbria im Nordosten Englands, das ebenfalls weit nach Schottland reichte.

Verlauf des Hadrianswall und des Antoniuswall

Die Christianisierung der Britons, Pikten, Skoten und Angeln erfolgte zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert hauptsächlich durch St. Ninian, St. Colomba, St. Cuthbert und St. Aldan.

Der Skote Kerineth MacAlpine unterwarf im Jahr 844 die Pikten und gründete das erste gesamtschottische Königreich „Alba“. Der Norden Schottlands und die Inseln wurde im 9. Jh. von skandinavischen Wikinger besetzt, welche die ursprüngliche Bevölkerung verdrängten oder versklavten.

Die Eroberung Englands durch die Normannen (1066) wirkte sich nur indirekt auf Schottland aus. Normannische Edelleute wurden als Lehnsleute eingesetzt. Der bedeutendste, David 1. (1124-1153) versuchte eine funktionstüchtige Verwaltung und Justiz aufzubauen und gilt als der Kirchen- und Klostergründer schlechthin.

Die folgenden Jahrhunderte waren vor allem geprägt vom Kampf der Schotten um ihre Unabhängigkeit von den mächtigen Nachbarn im Süden. William Wallace siegte 1297 mit schottischen Truppen an der Stirling Bridge und konnte die Engländer wenigstens zeitweise vertreiben. Der Anglonormanne Robert the Bruce besiegte 1314 in der Schlacht bei Bannockburn das dreifach überlegene Heer der Engländer, sodass Edward III von England die Unabhängigkeit Schottlands anerkennen musste.

Hochlandtracht

In dieser Zeit entwickelten sich auch die unterschiedlichen Lebensstile in Schottland. Im Süden, mit Edinburgh als Zentrum, bildete sich trotz aller Kämpfe mit den Engländern ein verfeinerter Lebensstil heraus. Künste, Bildung und Handel mit den Niederlanden, Frankreich und Skandinavien florierten – das Land öffnete sich. In den Highlands entwickelte sich das Clan-System mit Häuptlingen als Führern. Das harte Leben prägte die Bewohner. Das Clan-System erlosch als die Armee Stuarts von Prinz Charles Edward 1746 bei Culloden geschlagen wurde.

Die Ära der Stuart (oder ab 1371 auch Stewart) ist durch ständige Kämpfe mit England und Auseinandersetzungen mit den mächtigen schottischen Baronen geprägt.

Wichtige Stuart-Herrscher:

  • James IV (1488-1513)
    Durch seine Ehe mit Margret Tudor, der Schwester des englischen Heinrich VII., leitete sich der spätere Anspruch der Stuarts auf den englischen Thron ab.
  • James V (1513-1542)
    Hinterließ bei seinem Tod als Thronerbin die sechs Tage alte Maria Stuart (1542-1587), die 1558 den franz. Thronerben Franz II heiratete und 1561 nach dessen Tod nach Schottland zurückkehrte, wo sie bis zur erzwungenen Abdankung 1568 als Königin von Schottland herrschte. Nach ihrer Flucht aus Schottland zu ihrer Cousine Elisabeth I. von England verbrachte sie bis zu Ihrer Hinrichtung rund zwanzig Jahre in englischer Haft. Marias Sohn James VI von Schottland wurde als James I. auch König von England (1603-1 625).

Es folgte eine Zeit der Religions- und Bürgerkriege (1651-1660) und der Besetzung durch Cromwells Truppen.

1707 wurde der „Act of Union“ unterzeichnet, der eine protestantische Thronfolge, einheitliche Besteuerung und Handelsgleichheit vorsah. Die darauf folgenden Jakobiten-Aufstände dauerten von 1715 bis 1745. Nach der Niederlage von Bonnie Prince Charlie bei Culloden folgte eine ruhigere Zeit, die zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der südlichen Landesteile führte. Die kleinbäuerliche Hochlandbevölkerung wurde zwischen 1760 und 1860 in den berüchtigten „Highland Clearances“ vom gepachteten Land vertrieben.

Sir Walter Scott

Zu Beginn des 19. Jh. setzte, hauptsächlich aufgrund der Romane von Sir Walter Scott, eine romantische Begeisterung für Schottland ein, die einen frühen Tourismus brachte. Königin Victoria und Prince Albert verweilten oft auf Schloss Balmoral. 1885 wurde ein Scottish Office in London eingerichtet und ein Sekretär für schottische Angelegenheit ernannt, der 1926 dann zum Staatssekretär aufgewertet wurde. Er war für die Verwaltung der noch immer getrennten Rechtssysteme und der Schottischen Ämter (boards) für Landwirtschaft, Bildung, örtlicher Verwaltung und Gesundheit zuständig. 1928 wurden die Schottischen Ämter dem „Scottish Office“ eingegliedert und die Verwaltung nahm allmählich die gegenwärtige Form an. Dem „Scottish Office“ nicht unterstellt sind die Bereiche Verteidigung, Außenpolitik, Steuern und Soziales.

Schottland entsendet acht Vertreter in das Europäische Parlament. Obwohl autonomer als andere Teile Großbritanniens, forderte die „Scottish National Party“ die völlige Trennung von England. Ein entsprechendes Referendum, initiiert 1979 und erneuert 1997, ergab bei großer Wahlbeteiligung ein Votum von 74% für ein eigenes Schottisches Parlament.

Das im Mai 1999 gewählte Parlament hat seinen Sitz in Edinburgh in einem neu errichteten Gebäude nahe dem Palace of Holyroodhouse.

Scottish Parliament Debating Chamber