Burns Supper
„Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn“
Robert Burns, schottischer Schriftsteller und Poet
(* 25. Januar 1759 in Alloway, Ayrshire; † 21. Juli 1796 Dumfries, Dumfriesshire)
Das Burns Supper ist eine Gedenkfeier zu Ehren des schottischen Nationaldichters Robert Burns. Es wird am 25. Januar, dem Geburtstag des Dichters, oder kurz danach abgehalten.
Das erste Supper wird vermutlich 1799, am 40. Geburtstag von Burns stattgefunden haben. Das Burns Supper, in der Form in der es heute weltweit zelebriert wird, entstand nachweislich im Sommer 1801 in Burns Cottage, einem Bierhaus in Alloway, wo neun Freunde von Burns zusammenkamen um in einer Feier das Leben und Wirken von Burns zu ehren. Dabei wurden Gedächtnisansprachen gehalten, Gedichte rezitiert, Haggis serviert und natürlich Whisky getrunken. Man beschloss dass künftig in jedem Jahr, am Geburtstag von Burns, ein Supper stattfinden soll. Ursprünglich wurde am 29. Januar gefeiert, da irrtümlicherweise dieses Datum lange Zeit als Geburtsdatum von Burns galt.
Jährlich kamen mehr Anhänger zu dieser Veranstaltung. Der „Alloway Burns Club“ wurde gegründet. Es folgten schnell Clubs in Kilmarrnock, Greenock und Paisley. Seit 1830 werden Burns Suppers in ganz Schottland abgehalten. Allein die Burnsgesellschaft in Kilmarnock betreut heute rund 400 Tochterclubs in der ganzen Welt.
Ob das Supper sehr feierlich oder nur schlicht abgehalten wird, liegt im Ermessen des Gastgebers. In jedem Fall muss die streng reglementierte Feier gut vorbereitet sein. Neben ausgesuchten Rednern, guten Musikern und einem hervorragenden Koch wird eine ausreichende Menge vom guten schottischen Malt Whisky benötigt. Mitzubringen sind eventuell bequeme Tanzschuhe. Das Auto und der Führerschein sollten besser Zuhause bleiben. Die Garderobe sollte dem Anlass entsprechend festlich sein. Die schottische Nationaltracht ist natürlich gerne gesehen, aber kein Muss.
Das Burns Supper unterliegt einem festen Handlungsablauf. Der Gastgeber begrüßt zunächst die Gäste und dankt den Mitwirkenden. Ist kein Pfarrer anwesend, den man Bitten kann ein Tischgebet zu sprechen, wird der Gastgeber selbst „The Selkirk Grace“ rezitieren.
Die Speisenfolge
Als Vorspeise wird eine Suppe serviert, meist Cock-a-leekie, also Hühnersuppe mit Lauch. Anschließend wird der Hauptgang gereicht: Haggis mit „champit tatties“ (Kartoffelbrei) und „bashed neeps“ oder „clapshot“ (Steckrübenbrei oder Steckrüben mit Möhren.

Haggis
Das Auftragen des Hauptganges ist eine Zeremonie. Der Haggis wird auf einer großen Platte unter großem Pomp vom Gastgeber oder Koch feierlich hereingetragen. Er wird begleitet von einem Piper – der nach Möglichkeit ein vertontes Burns Gedicht spielt – und einem Helfer der die Flasche Whisky trägt, die beim Zurichten gebraucht wird. Der Haggis wird zur Begutachtung durch die Reihen der Gäste getragen und anschließend auf dem Tisch des Gastgebers abgestellt. Der Piper wird mit einem Glas Whisky belohnt, ein weiteres Glas mit dem Lebenswasser wird über den Haggis gegossen. Das dritte Glas leert der Gastgeber, um mit dem gälischen Toast „slainte mhath“ zusammen mit seinen Gästen dem Haggis die Ehre zu erweisen.
Nun wird vom Gastgeber, oder einem vorher bestimmter Gast, das Burns Gedicht „Adress to a Haggis“ vorgetragen. Bei der entsprechenden Passage in der dritten Strophe des Lobliedes, wird das Messer in den Pansen gestoßen. Das dampfende Met quillt heraus, verbreitet sich auf der Servierplatte und wird nun rasch an die Gäste verteilt. (Das bei manchen Burns Suppers nach dem Haggis – aus welchen Gründen auch immer – ein weiteres Hauptgericht gereicht wird, entspricht nicht der Tradition. Es ist nicht angebracht und verachtenswert)
Zum Nachtisch wird „Tipsy Laird“ (Kirschpudding) oder „Cranachan“ (Sahne mit Whisky, Heidehonig, Haferflocken und Früchten) serviert, und später am Abend gibt es schottischen Käse und Oatcakes.
Die Ansprachen
Nach einer kurzen Einführung durch den Vorsitzenden folgt „das ewige Angedenken“. Es kann heiter und witzig, oder auch ernsthaft literarisch sein, aber es sollte alle Anwesenden dazu animieren, am nächsten Tag unbedingt in einem Burns Gedichtband zu lesen.

Robert Burns
Nach dem ewigen Angedenken wird ein musikalisches Zwischenspiel eingeschoben, gewöhnlich mit Dudelsäcken, dann folgt eine kurze „Würdigung“ der zuletzt gehaltenen Rede durch einen Gast. Danach folgt der Toast „auf die Damen“ und „die Antwort“. Beide Ansprachen sollten von Burns Werken inspiriert sein.
„Auf die Damen“ war ursprünglich ein Dank an die Frauen, die das Essen für den Abend bereiten. Heute handelt es sich um eine meist humorig respektlose Abhandlung über das schöne Geschlecht. Doch die Antwort, die von einer Frau gegeben wird, lässt an den Eigenschaften der Männer auch kein gutes Haar…
Zwischen oder nach den Ansprachen können verschiedene Lieder und Gedichte aus Burns Werken eingeschoben werden. Es werden auch noch andere Toasts ausgesprochen, unbedingt aber einer auf die schottische Nation, so wie es beim Burns Supper der Society der Brauch ist.
Auch wenn sich das Supper nach dem Gemeinsam gesungenen „Auld Lang Syne“ dem Ende zuneigt, kann der vergnügliche Abend, mit Tanz und Unterhaltungsmusik nach schottischer Art, noch andauern.
„Mir reicht ein Drink, um betrunken zu werden.
Ich weiß nur nicht, ob es der dreizehnte oder vierzehnte Drink ist“(Robert Burns)
Bericht eines Gastes nach seinem ersten Burns Supper
Ein wohlschmeckendes Süppchen dient gewissermaßen als Auftakt für den kulinarischen Donnerschlag. Und dann wird der Haggis auf einer Platte feierlich und mit großem Pomp von einem Koch, den ein Dudelsackpfeifer begleitet, in den Raum gebracht und ehrenvoll auf einer Platte abgelegt. Die Speise ist gräulich und ähnelt einem Rugby-Ball oder einem Drei-Pfund-Brot. Angeschnitten wird er nach einer Ode vom Dichter an den Haggis, die den Geschmack lobt und erzählt, wie stark und unbesiegbar die Schotten davon werden.
Der Haggis zeigt sich in feiner bröseliger Konsistenz mit interessantem Duft in unterschiedlichen Grautönen, wird in Schüsseln an die Gäste verteilt. Und dann spielen sich auf den Gesichtern der anwesenden Esser – allerdings nicht bei denen, die das Auswahlgericht Hühnchenbrust bestellt haben – wahre Welten kulinarischer Empfindungsprozesse ab: Von sinnlich schwärmend über vorsichtig testend bis hin zu erschreckend überrascht. Das kann man nur selbst einmal ausprobieren.
Und auch die Form des Genießens vom Teller aus ist unterschiedlich: Die meisten durchmischen die drei sorgfältig getrennten Teile von Kartoffel- und Rübenpüree mit dem Haggis mittig. Andere bauen aus dem Kartoffelpüree einen esslöffelgroßen Krater, da den Haggis hinein und den Rübenbrei drauf.
Und happs – weg.
The Address to the Haggis
The Address to the Haggis |
Auf einen Haggis |
| Fair fa’ your honest, sonsie face, Great Chieftain o’ the Puddin-race! Aboon them a’ ye tak your place, Painch, tripe, or thaim: Weel are ye wordy of a grace As lang’s my arm. |
Dein feines Gesicht sei von Glück erhellt, du Häuptling in der Würstewelt! Bist hoch über alle anderen gestellt, ob Pansen, ob Darm: Verdienst, daß man dein Lob erzählt, so lang wie mein Arm. |
| The groaning trencher there ye fill, Your hurdies like a distant hill, our pin wad help to mend a mill In time o’ need, While thro’ your pores the dews distil Like amber bead. |
Die ächzende Schüssel da füllst du aus, dein Hintern schaut wie ein Bergrücken raus, Dein Holzspieß hülf als ´ne Rad-Achse aus, in Zeiten der Not. Und aus deinen Poren tritt Tau heraus, wie Bernstein rot. |
| His knife see Rustic-labour dight, An’ cut you up wi’ ready slight, Trenching your gushing entrails bright Like onie ditch; And then, O what a glorious sight, Warm-reekin’, rich! |
Sieh, wie der Bauer sein Messer wischt; er schneidet dich auf, wenn aufgetischt, Und in dein saftiges Inneres er bricht, dem Pflüger gleich; Und dann, o welch gesegnete Sicht, warm-dampfend, reich. |
| Then, horn for horn they stretch an’ strive, Deil tak the hindmost, on they drive, Till a’ their weel-swalled kytes belyve Are bent like drums; Then auld Guidman, maist like to rive, Bethankit hums. |
Und Löffel für Löffel macht man sich ran, der Teufel kriegt den letzten dran, Bis alle Bäuche, ob Frau, ob Mann, sind wie Trommeln gespannt; Und kurz vor dem Platzen der Hausvater dann stöhnt: “Gott sei Dank“. |
| Is there that owre his French ragout Or olio that wad staw a sow, Or fricassee wad mak her spew Wi’ perfect sconner, Looks down wi’ sneering, scornfu’ view On sic a dinner? |
Gibts einen, der nach Ragout noch trachtet, und Eintopf, den ´ne Sau verachtet, Und Frikassee, das sie kotzen machte, vor Ekelqual, der hinschaut und verächtlich lachte, auf solch ein Mahl? |
| Poor devil! See him owre his trash, As feckless as a withered rash, His spindle shank a guid whip-lash, His nieve a nit; Thro’ bluidy flood or field to dash, O how unfit! |
Der Ärmste! Seht ihn bei seinem Müll, ist kraftlos wie trockene Binsen und still, Für Schnüre die Schenkel man halten will; die Faust für ´ne Nuß; Wie wenig für blutiges Schlachtengebrüll der taugen muß! |
| But mark the Rustic, haggis-fed, The trembling earth resounds his tread, Clap in his walie nieve a blade, He’ll mak it whissle; An’ legs, an’ arms, an’ heads will sned, Like taps o’ thrissle. |
Doch seht den Landsmann, haggisgenährt, von seinem Schritt tönt zitternd die Erd, Drückt ihm in die breite Faust ein Schwert, er läßt es tanzen; Mit Armen und Beinen er verfährt, wie mit Unkrautpflanzen. |
| Ye Powers wha mak mankind your care, And dish them out their bill o’ fare, Auld Scotland wants nae skinking ware That jaups in luggies; But, if ye wish her gratefu’ prayer, Gie her a Haggis! |
Ihr Mächte, die ihr im Himmel verkehrt, und den Menschen den Speisezettel serviert, ein Schotte hat Fraß noch nie verzehrt, der bloß ein Dreck ist; Drum, wünscht ihr, daß er euch verehrt, gebt ihm ´nen Haggis! |