Tattoo
Duden – Fremdwörterbuch:
Tat|too [tε’tu:] das; -[s], -s (niederländisch – englisch)
englische Bezeichnung für: Zapfenstreich.
Schon im späten Mittelalter wurde das Signal zur Nachtruhe für die Landsknechte stets mit der Trommel oder Pfeife, bei der Reiterei mit dem Horn oder der Trompete gegeben.
Nach dem Signal durften sich Soldaten, ohne besondere Erlaubnis, nicht mehr außerhalb der zugewiesenen Quartiere aufhalten.
Im Jahre 1596 wurde erstmals das Abendsignal in Verbindung mit dem „Zapfenschlag“ erwähnt. Beim Zapfenschlagen ging der Wachoffizier, begleitet von einem Musiker, durch die Gaststuben und schlug mit seinem Stock gegen den Zapfhahn des Fasses. Danach durfte der Wirt keine Getränke mehr an Soldaten ausgeben und die Soldaten mussten die Unterkünfte aufsuchen. Soldaten, die diesem Befehl nicht nachkamen, wurden zur Strafe „mit der Rute gestrichen“. Später entfiel das Zapfenschlagen, die akustische Aufforderung blieb erhalten.
Das Abendsignal wurde gewöhnlich nur von den Spielleuten der Wachen, bei besonderen Anlässen jedoch von den Spielleuten der ganzen Garnison geschlagen und gespielt, wobei die Musikkorps dann durch verschiedene Straßen des Ortes geführt wurden. Meist schlossen sich zurückkehrende Soldaten den Musikern an und kehrten in geschlossener Formation in das Lager zurück. Wohlwissend, dass einem gut ausgebildeten Soldaten, beim Marschieren unter Musikbegleitung, ein allzureichlicher Alkoholgenuss nicht so leicht anzumerken war.
Schon bald wurde aus der Not eine Tugend und das Zeremoniell für den „Zapfenstreich“ – wie die Aufforderung zur Nachtruhe seitdem allgemein genannt wird – fester Bestandteil militärischer Tradition und damit auch Teil der Ausbildung der Truppen und deren Musikern.
Der sächsische Major Hans von Fleming beschrieb den „Zapfenstreich“ erstmals 1726 ausführlich in seinem Buch: „Der vollkommene deutsche Soldat“.
Auch wenn in großen Garnisionen und Feldlagern der musikalische „Zapfenstreich“ durch einen Kanonenschuss abgelöst und letztlich ganz abgeschafft wurde: der „Zapfenstreich“ blieb als festliches Ritual bei besonderen Anlässen erhalten und wurde sogar noch ausgeweitet.
Der „Große Zapfenstreich“ entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. König Friedrich Wilhelm der dritte ordnete während der Befreiungskriege die Erweiterung des Zapfenstreiches um das Präsentieren des Gewehrs, ein stilles Gebet und das Blasen eines Militärliedes an. Er folgte damit dem Beispiel Russlands, Österreichs und Schwedens.
Schon bald wurde auch das intonierte Nachtgebet hinzugefügt. Bei fast allen Armeen setzte sich der Choral: „Ich bete an die Macht der Liebe“ durch.
Der „Große Zapfenstreich“ ist heute das höchste militärische Zeremoniell in allen Armeen der Welt. Es ist eine Ehrenerweisung, bestehend aus einer genau festgelegten Abfolge musikalischer Elemente und militärischer Zeremonien und setzt sich immer aus drei Bestandteilen zusammen, dem Locken, dem Zapfenstreich und einem Gebet als Abschluss.
Beim “Locken” spielt nur der Trommler, er gibt den Takt zum Aufmarsch für die Paradetruppen an. Die Pauke gibt mit ihren Schlägen den Takt vor, sobald die Ehrenformationen ihre vorgegebenen Positionen eingenommen haben.
Auf Zeichen des Tambourmajors beginnt die Kapelle mit dem Abspielen der Musikstücke zum eigentlichen Zapfenstreich, der je nach Anlass mit Paraden, Exerzieren und einem Appell verbunden sein kann.
Danach wird das Abendgebet gespielt. Das traditionelle: „Ich bete an die Macht der Liebe“ wird heute oft ersetzt durch andere Kompositionen, in welchen aber stets Elemente aus dem traditionellen Choral eingebunden sein sollten.
Der Zapfenstreich kann sich durchaus über mehr als eine Stunde hinziehen.
Der im anglo-amerikanischen Sprachraum verwendete Ausdruck „Tattoo“ ist auf den gleichen militärischen Brauch zurückzuführen. Tattoo ist die englische Ableitung aus dem niederländischen “(Duu den) tap toe”, was so viel heißt wie “schließt den Zapfhahn“.
Aber auch das schwedische “tap to”, bedeutet „Zapfen zumachen“.
Heute steht die Bezeichnung „Tattoo“ für jene Veranstaltungen, bei der vorzugsweise die Militärbands schottischer Regimenter mit ihren Dudelsackspielern der Öffentlichkeit ihr können präsentieren. Dazu kommen Spielmannszüge des Militärs oder der Polizei aus unterschiedlichen Nationen. Aber auch Tanzgruppen und gelegentlich auch Sänger oder ganze Chöre mit einer militärischen Ausrichtung werden eingeladen. Zunehmend werden dabei auch publikums- wirksame Showeffekte eingebunden.
Auch wenn bei einem Tattoo-Musikfest heute Elemente mit historischem oder nationalem Hintergrund eingesetzt werden um den größten Teil des Programms zu bestreiten, wird stets die ursprüngliche Abfolge beim Tattoo eingehalten, mit dem Locken, dem Zapfenstreich und dem Gebet. Danach wird die Nationalhyme gespielt, gefolgt vom Abmarsch der Teilnehmer.
